Kleine Tiere, großes Risiko

Zecken können auch im Wohnumfeld Krankheiten übertragen – Vorsorge ist daher besonders wichtig.

Warum Zeckenschutz in Nordbayern immer wichtiger wird

Mit den ersten warmen Frühlingstagen zieht es viele Menschen wieder nach draußen. Ob Spielen im Innenhof, ein Picknick auf der Grünfläche, Gartenarbeit rund ums Haus oder ein Spaziergang im Park – gerade für Familien gehört die Zeit im Freien zum Alltag. Doch speziell in naturnahen Regionen wie Nordbayern wächst damit auch ein Risiko, das oft unterschätzt wird: der Kontakt mit Zecken.

Nordbayern im Fokus:

Warum Zecken immer präsenter sind Zecken haben sich in den vergangenen Jahren deutlich ausgebreitet. Verantwortlich dafür ist vor allem der Klimawandel. Mildere Winter und feucht-warme Frühjahre sorgen dafür, dass Zecken länger aktiv bleiben und sich besser vermehren können. Bereits ab etwa 7 °C werden sie aktiv – eine echte Winterpause gibt es vielerorts kaum noch.

Die Folge:

Die Zeckensaison beginnt früher im Jahr und dauert oft bis in den späten Herbst hinein. Fast ganz Bayern – und damit auch große Teile Nordbayerns einschließlich der Metropolregion Nürnberg – gilt inzwischen als FSME-Risikogebiet. Gleichzeitig ist die Lyme-Borreliose deutschlandweit verbreitet. Zecken sind damit längst kein seltenes Naturphänomen mehr, sondern ein Teil
unseres Alltags.

Mehr als lästig: Welche Krankheiten Zecken übertragen können Zeckenstiche sind nicht nur unangenehm, sie können auch ernsthafte Krankheiten übertragen. Besonders relevant sind zwei Infektionen:

Lyme-Borreliose

Diese bakterielle Erkrankung kann in ganz Deutschland auftreten. Ein frühes Anzeichen ist häufig eine sich ausbreitende Rötung um die Einstichstelle, die sogenannte Wanderröte. Auch grippeähnliche Symptome oder – bei später Diagnose – Gelenk- und Nervenbeschwerden sind möglich. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung, daher kommt der Vorsorge besondere Bedeutung zu.

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

FSME wird durch Viren verursacht und kann das Nervensystem angreifen. Die Erkrankung tritt besonders häufig in Süddeutschland auf. Gegen FSME gibt es eine Schutzimpfung, die von den Gesundheitsbehörden für Personen empfohlen wird, die in Risikogebieten leben oder sich häufig im Freien aufhalten – insbesondere auch für Kinder.

Zecken leben näher, als viele denken

Viele Menschen verbinden Zecken automatisch mit tiefen Wäldern. Tatsächlich halten sie sich aber auch direkt im Wohnumfeld auf:
in Gärten, Innenhöfen, auf Spielplätzen, in Hecken oder auf Rasenflächen. Sie bevorzugen niedrige Vegetation wie Gräser, Farne oder dichtes Gebüsch und lauern dort auf vorbeikommende Menschen oder Tiere.

Ein weit verbreiteter Mythos hält sich dennoch hartnäckig: Zecken fallen nicht von Bäumen. Sie werden beim Vorbeigehen abgestreift und halten sich innerhalb von Sekunden fest. Anschließend suchen sie – manchmal über Stunden – nach einer geeigneten Einstichstelle.
Bevorzugt werden warme, gut durchblutete Hautstellen wie Kniekehlen, Achseln, Leistengegend oder der Haaransatz, besonders bei Kindern.

Kinder besonders im Blick behalten

Kinder sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt, da sie viel Zeit im Grünen verbringen, häufig auf dem Boden spielen und Zecken an sich oft nicht sofort bemerken. Deshalb ist es wichtig, sie nach dem Spielen im Hof oder Park besonders aufmerksam zu kontrollieren.

Vorbeugen im Alltag: Einfach, aber wirksam

Mit einigen unkomplizierten Maßnahmen lässt sich das Risiko deutlich reduzieren:

1. Die richtige
Kleidung

Lange Hosen und geschlossene Schuhe bieten einen guten Basisschutz. Werden die Hosenbeine in die Socken gesteckt, entsteht eine wirksame Barriere. Helle Kleidung ist besonders sinnvoll, da Zecken darauf schneller entdeckt werden.

2. Insektenschutzmittel (Repellents)

Mittel mit Wirkstoffen wie Icaridin oder DEET können Zecken für mehrere Stunden fernhalten. Sie sollten regelmäßig erneuert werden, ersetzen jedoch nicht die anschließende Kontrolle des Körpers.

3. Grünflächen
bewusst nutzen

Wenn möglich, auf gemähten Wegen bleiben und den direkten Kontakt mit hohem Gras oder dichtem Gebüsch vermeiden – insbesondere bei Kindern.

4. Impfschutz
gegen FSME

Für viele Menschen in Nordbayern, insbesondere Familien, naturaktive Mieter, Gartenfreunde oder Hundebesitzer, stellt die FSME-Impfung eine sinnvolle Ergänzung zum persönlichen Schutz dar.

Der wichtigste Schritt: Absuchen nach dem Aufenthalt im Freien

Der effektivste Schutz ist und bleibt die gründliche Kontrolle nach jedem Aufenthalt im Grünen. Oft genügt ein kurzer, aufmerksamer Blick, um Zecken frühzeitig zu entdecken, noch bevor sie stechen.

Achten Sie besonders auf:

  • Kniekehlen
  • Achseln
  • Leistengegend
  • Nacken- und Haaransatz (bei Kindern besonders wichtig)
  • Auch Kleidung, Schuhe und mitgebrachte Gegenstände sollten überprüft werden.

Richtig handeln nach einem Zeckenstich

Wird eine Zecke entdeckt, gilt: ruhig bleiben, aber zügig handeln.

Zecken

So entfernen Sie eine Zecke richtig:

  • Zecke mit einer Pinzette, Zeckenkarte oder Zeckenzange möglichst hautnah greifen
  • Nicht quetschen
  • Langsam und gerade herausziehen
  • Nicht drehen und keine Hausmittel wie Öl oder Klebstoff verwenden

Nach dem Entfernen:

  • Einstichstelle desinfizieren
  • Stelle über die nächsten Wochen beobachten
  • Bei auffälligen Rötungen (insbesondere Wanderröte) oder grippeähnlichen Beschwerden ärztlichen Rat einholen

Gerade bei Kindern ist besondere Aufmerksamkeit wichtig, da sie Symptome oft nicht eindeutig äußern können.

Gemeinsam für ein sicheres Wohnumfeld

Auch Wohnungsunternehmen können ihren Beitrag leisten: Gepflegte Grünanlagen, regelmäßig gemähte Flächen und gut instand gehaltene Wege helfen, Lebensräume für Zecken zu reduzieren. Gleichzeitig bleibt ein bewusster Umgang jedes Einzelnen entscheidend.

Gut informiert den Sommer genießen

Zecken gehören inzwischen zum Alltag in Nordbayern. Doch sie müssen kein Grund sein, auf die schönen Seiten der warmen Jahreszeit zu verzichten. Mit dem richtigen Wissen, einfachen Vorsichtsmaßnahmen und einem achtsamen Blick nach dem Aufenthalt im Freien lässt sich das Risiko gut kontrollieren. So können unsere Mieterinnen und Mieter die Außenbereiche ihrer Wohnanlagen weiterhin unbeschwert nutzen – beim Spielen mit den Kindern, bei der Gartenarbeit oder beim Entspannen im Grünen.


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